Sozialpädagogische Kindergruppen

Unser Angebot richtet sich an Kinder im Alter von 6-12 Jahren, die in ihrer Familie, im sozialen Umfeld oder in der Schule Gewalt erlebt haben oder Zeuginnen von Gewalt geworden sind.

ln den Kindergruppen können auch dem brisanten Thema “Mobbing” korrigierende Erfahrungen entgegengestellt werden.

Ein gemeinsames Erst-, Zwischen- und Abschlussgespräch, unterstützt dabei die Entwicklung des Kindes und die Zielsetzungen,  aufeinander abzustimmen.

Durchgeführt wird die Kindergruppe von zwei qualifizierten MitarbeiterInnen des Tiroler Kinderschutzes.

Zielgruppe

Ein Angebot für Kinder von 6 bis 12 Jahren.

Vor Beginn der Gruppe findet ein Gespräch mit den Bezugspersonen und ein Kennenlernen des Kindes statt.

Unsere Inhalte

  • Stabilisierung und Stärkung
  • Erarbeiten von Ressourcen
  • Positive Gruppenerfahrungen
  • Kreative Erlebnismöglichkeiten

Termine

10 Kindergruppentermine (wöchentlich).
Mit den Gesprächen insgesamt 13 Termine.

Unser pädagogisches Konzept finden Sie hier.

Grafik für Kinderschutz KindergruppeInformation und Anmeldung

Kindergruppe Innsbruck
Museumstraße 11, 6020 Innsbruck,
Telefon 0512 583757, Fax 0512 583757-15
innsbruck@kindergruppe-tirol.at

 

Das SoKi LogoKindergruppe Imst
imst@kindergruppe-tirol.at
MMag.a Sabrina Öztas
0660 67 447 17
Dipi.-Soz.päd.in Tatjana Rettenbacher
0660 67 447 18

Kindergruppe Schwaz

schwaz@kindergruppe-tirol.at

Unsere Kindergruppen sind für alle Kinder
kostenlos und frei zugänglich

 

 

Kindergruppen Imst

Dank der Unterstützung des Handl Tyrol Hilfsfonds wird im Tiroler Oberland seit Frühjahr 2014 eine niederschwellige Versorgung von Gewalt betroffenen Kindern umgesetzt.

Das Gruppenangebot der Kinderschutz Kindergruppen Imst richtet sich an Mädchen und Burschen von 6 bis 12 Jahren, die in ihrer Familie Gewalt erlebt haben, ZeugInnen von Gewalt geworden sind oder aber verbale Gewalt (Mobbing) in der Schule oder im sozialen Umfeld erlebt haben.
Durch die enge Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf Imst haben wir seit Herbst 2015 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in unserer Kindergruppe mit aufgenommen. Unseren Überlegungen zu Folge umfasst Integration neben der Sprachbildung ein breiter gefächertes Spektrum an Zielen. Ziele, wie: Unterstützung beim Kennenlernen von kulturellen Gegebenheiten und Kontaktaufnahme mit gleichaltrigen Kindern, Berücksichtigung und Umsetzung der Bedürfnisse der Kinder sowie ein professionelles Hilfeangebot im Umgang mit Stress und negativen Emotionen.

Die Kinder, die wir bisher begleiten konnten – so verschieden ihre persönlichen Hintergrundgeschichten sind – haben eines gemein, sie müssen sich im Alltag oft einer Mehrfachbelastung stellen. Ihre primären Bezugspersonen sind aufgrund der eigenen Belastung nicht ausreichend in der Lage, ihre Funktion als Halt gebende Erwachsene den Kindern gegenüber zu erfüllen. In der Schule oder im sozialen Umfeld kommen Stigmatisierungs- und Mobbingerfahrungen1 hinzu. Die Kinder suchen dann den für sie bestmöglichsten Weg, um mit den Gefühlen, wie Angst, Wut, Traurigkeit, Ohnmacht und Ausgeliefert-Sein umzugehen, und richten dabei oft ihre Aggression als Schutz nach außen und in manchen sehr besorgniserregenden Fällen auch nach innen. Unseren Erfahrungen zufolge erleben die Kinder vor allem in der Wahrnehmung und im Ausdruck von Gefühlen Schwierigkeiten, meist gehen mit der Gewalterfahrung auch Probleme in der Gestaltung von Beziehung und Interaktion einher.

Als Leiterinnen der Kinderschutz Kindergruppen Imst ist es uns durch die Unterstützung des Handl Tyrol Hilfsfonds möglich, diesen Kindern einen professionellen Zufluchtsort zur Verfügung zu stellen. Durch methodische Zugänge wie dem freien Spiel, dem kreativen Ausdruck, Rhythmik und Bewegung, und nicht zuletzt durch den unterstützenden Kontakt unserer Therapiehündin ‚Emma’, werden die Kinder in den Kindergruppen eingeladen einfach da zu sein und das zu zeigen, was sie gerade mitteilen wollen. Das Setting einer Gruppe bietet insbesondere die Möglichkeit, Empathie und Spiegelung durch die Gruppenmitglieder zu erfahren (unter dem Motto: „Ich bin nicht anders. Da fühlt ein Mädchen/ein Bursche mit mir.“) und regt spielerisch (durch Rollenspiele, kreatives Gestalten, Leibübungen, Phantasie- und Entspannungsübungen) zu Veränderungen im Umgang mit Gewaltsituationen im Alltag an. Die gemeinsame spielerisch-kreative Bewältigung von Schwierigkeiten vermittelt Orientierung und Vertrauen sowie ein Gefühl von Zugehörigkeit und der Möglichkeit von Hilfe. Diese ‚schützende Inselerfahrung’ ermöglicht den Kindern Ängste, Unsicherheiten und Schwierigkeiten auszudrücken, aber auch Vertrauen zu gewinnen, um ihre Ressourcen und persönlichen Kompetenzen zu explorieren. Die ‚schlechten Gefühle’, wie sie die Mädchen und Burschen oft nennen, können in diesem geschützten Rahmen neu ausgehandelt und integriert werden. Kinder können so wieder Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen erlangen und werden im Alltag gestärkt.

Seit dem Start im Frühjahr 2014 wurden im Oberland 6 Kindergruppen angeboten. Eine Parallelgruppe im Frühjahr 2015 bot die Möglichkeit von Gewalt betroffenen Geschwisterkindern zeitgleich und unabhängig voneinander eine ‚geschützte Inselerfahrung’ bereit zu stellen, in welchen eine differenzierte und altersadäquate Auseinandersetzung mit Gewalt und ein veränderter Umgang mit Gewaltsituationen möglich wurde. Im Sommer und Herbst 2015 wurde jeweils eine Gruppe angeboten. In den letzten eineinhalb Jahren konnten im Tiroler Oberland in Summe 24 Kinder (5 Mädchen und 19 Burschen, davon vier Geschwisterkinder und zwei Kinder mit Gewalt- und Fluchterfahrung) durch das Angebot der Kinderschutz Kindergruppen professionell begleitet werden. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingskinder brachten beim EinsLeg in unsere sozialpädagogische Kindergruppe eine Vielfalt an Anlagen sowie Erfahrungen aus dem familiären Kulturkreis mit. Die gegenseitige Achtsamkeit, Interesse und Neugierde waren eine gute Voraussetzung für eine interkulturelle Gruppenarbeit. In der Gruppenarbeit war es möglich die Einzigartigkeit von jedem Kind kennenzulernen und diesem als Mitglied der Gruppe Achtung und Respekt entgegen zu bringen.

Im laufenden Jahr 2016 setzt das Angebot der Kinderschutz Kindergruppen Imst weiterhin auf einen Fokus in der Netzwerkorientierung und Elternarbeit sowie in der Unterstützung von Kindern, die von Gewalt- und Fluchterfahrung betroffen sind. Das Angebot der Kindergruppen können, wie unsere Erfahrungen und die empirische Befundlage unterstreichen, einen bedeutsamen Schutzfaktor und einen wichtigen Gegenpol zu gesellschaftlicher Stigmatisierung von Gewalt betroffenen Kindern bieten.

1 Durch die intensive Weiterentwicklung der Gruppenarbeit zeigte sich in den letzten eineinhalb Jahren, dass die Vernetzungsarbeit mit dem Schulsystem (Schule, SchulsozialarbeiterInnen und BetreuungslehrerInnen) ein wichtiger Bestandteil der Kinderschutzarbeit sein muss. Soziale Unterstützung, Empathie, Orientierung und Vertrauen in der Gruppenarbeit können einen wichtigen Gegenpol zu aktuellen Phänomenen wie Mobbing in Schulen und sozialer Ausgrenzung darstellen.

 

 

Pädagogisches Konzept

Die Kinderschutz Kindergruppen sind ein Kooperationsprojekt zwischen der Kinderschutz GmbH Tirol, dem Verein Neustart Tirol und dem Gewaltschutzzentrum Tirol auf Initiative von Staatsanwältin Dr.in Erika Wander.

Entstanden sind die Gruppen aus dem Gedanken heraus, dass es im Falle von häuslicher Gewalt Hilfe und Unterstützung für Opfer im Gewaltschutzzentrum und für Täter im Verein Neustart gibt, die Kinder als Opfer/ZeugInnen von häuslicher Gewalt jedoch bisher keine Unterstützung erfahren haben. Um diese Lücke zu schließen, wurden die Kindergruppen ins Leben gerufen.

Die Gruppe wird für Mädchen und Buben von 6 bis 10 Jahren angeboten, die in ihrer Familie Gewalt erlebt haben oder ZeugInnen von Gewalt geworden sind. Diese Kinder sind in einer mehrfach belasteten Situation. Sie können ihr Zuhause aufgrund der Ereignisse als keinen sicheren Ort erleben und werden dadurch in ihrer Entwicklung gehemmt. Darüber hinaus sind ihre primären Bezugspersonen aufgrund der eigenen Belastung nicht ausreichend in der Lage, den Kindern gegenüber ihre Funktion als Halt gebende Erwachsene zu erfüllen.

Aufgabe der Kindergruppen ist es nun, den Kindern einen sicheren Rahmen zur Verfügung zu stellen, in dem sie die Möglichkeit haben, ihre Ängste, Unsicherheiten und Schwierigkeiten auszudrücken.

Die Gruppe stellt einen Ort dar, in dem die Kinder Orientierung und Stärkung erfahren und Lösungsmöglichkeiten erproben können. Dies geschieht über eine gemeinsame spielerische Auseinandersetzung mit Gefühlen der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins. Im spielerischen Kontext können diese belastenden Affekte mit weniger Angst “Probe-erlebt“ und dadurch verringert werden. Diese gemeinsame spielerische Bewältigung von Schwierigkeiten vermittelt ein Gefühl von Zugehörigkeit und der Möglichkeit von Hilfe. Die Gruppe bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Empathie und Spiegelung durch die Mitglieder zu erfahren und damit auch die Erfahrung zu machen, verstanden zu werden.

Vor Beginn der Gruppe findet ein Gespräch mit den Bezugspersonen (in der Regel der nicht Gewalt ausübende Elternteil) und ein Kennenlernen des Kindes statt, um die Situation in der Familie zu besprechen, einen Überblick zu erhalten und eventuelle spezifische Fragestellungen und Ziele zu erarbeiten.

In den folgenden 8 Gruppenterminen wird in einer Gruppe mit Gleichaltrigen auf spielerische Art und Weise (Rollenspiel, kreatives Gestalten, Gespräche…) an folgenden Zielen gearbeitet:

  • Stabilisierung
  • Stärkung des Selbstbewusstsein, des Sozialverhaltens und der Ressourcen
  • Abklärung des Unterstützungsbedarfs

In den Nachbesprechungen mit dem nicht Gewalt ausübenden Elternteil bzw. den Bezugspersonen wird eine fachliche Einschätzung abgegeben und die aus unserer Sicht notwendigen Schritte zur weiterführenden Unterstützung der Kinder besprochen und erarbeitet. Neben der Vermittlung in eine Einzeltherapie und Beratung im Sinne von möglichen Familienunterstützenden Maßnahmen werden auch weitere Gruppenangebote empfohlen und in die Wege geleitet.

Insgesamt finden die Kinder in der Gruppe einen ersten Ort vor, in dem sie ihre Schwierigkeiten und Belastungen ausdrücken können, ohne Angst haben zu müssen, ihre Eltern zusätzlich zu belasten. Belastbare und fachlich geschulte Erwachsene stellen sich zur Verfügung, die Schwierigkeiten der Kinder wahrzunehmen und laden sie ein, das von sich zu zeigen, was sie zeigen wollen bzw., was sie an anderer Stelle verbergen müssen, um ihre Bezugpersonen zu schützen.

Den Kindern wird somit ein erstes Auffangbecken zur Verfügung gestellt und es besteht die Möglichkeit, eine erste Einschätzung der kindlichen Situation zu geben, um den Kindern anschließend die Hilfe zukommen zu lassen, die für sie maßgeschneidert ist.

 

Danke an den Handl Tyrol Hilfsfond, die Stadt Innsbruck und das Land Tirol

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